Oktoberfest beim KGV Frohsinn e.V., ein Abend, der Gemeinschaft spürbar macht
Ein Besuch im Kleingartenverein Frohsinn e.V. in Görlitz-Rauschwalde
Ich hatte wieder die Ehre und durfte im Auftrag des Niederschlesischen Kleingärtnerverbandes Görlitz e.V. einen Kleingartenverein besuchen. Diesmal führte mich mein Weg nach Görlitz-Rauschwalde zum Kleingartenverein Frohsinn e.V., der am 3. Oktober 2026 zum Oktoberfest eingeladen hatte.
Schon beim Ankommen war schnell zu spüren, dass dieser Abend mehr sein sollte als nur ein Fest mit Musik, Essen und Getränken. Das Festgelände war gemütlich hergerichtet, Mitglieder und Gäste kamen miteinander ins Gespräch und auch aus dem umliegenden Wohngebiet fanden zahlreiche Besucher den Weg zum Verein. Es herrschte eine angenehme, ungezwungene Atmosphäre, in der man sich schnell willkommen fühlte.
Während des Abends konnte ich mir nicht nur einen Eindruck von der Organisation und dem eigentlichen Festgeschehen machen, sondern auch mit Gartenfreunden, Besuchern und Anwohnern ins Gespräch kommen. Besonders interessant waren dabei die vielen unterschiedlichen Perspektiven. Trotz mancher Herausforderungen, mit denen ein Kleingartenverein heute umgehen muss, überwog bei den Gesprächen eines ganz deutlich: Der Wunsch nach Gemeinschaft und einem guten Miteinander.
Ein Verein mit Geschichte und Herzblut
Der KGV „Frohsinn“ besteht nach den Erinnerungen des Vereinsvorsitzenden Marco Eulitz bereits seit mindestens 1954.
Heute verfügt der Verein über 15 Parzellen, eine vergleichsweise kleine Anlage. Doch gerade hier zeigt sich, dass Größe nicht automatisch etwas über die Stärke eines Vereins aussagt.
Marco Eulitz ist seit vier Jahren Vorsitzender des Vereins. Seine Verbindung zum „Frohsinn“ geht allerdings wesentlich weiter zurück. Seit seiner Kindheit ist er mit dem Verein verbunden. Familiengeschichte, Erinnerungen und persönliche Erlebnisse sind eng mit diesem Ort verbunden.
Dabei war die Übernahme des Vorsitzes keineswegs ein lange gehegter persönlicher Plan. Vielmehr fand sich irgendwann niemand anderes, der diese Verantwortung übernehmen wollte. Also stellte sich Marco Eulitz dieser Aufgabe.
Was dabei deutlich wird: Er macht es nicht einfach, weil es eben gemacht werden muss. Es steckt viel persönliche Verbundenheit und Herzblut dahinter.
„Wenn wir das machen, dann richtig“, dieser Gedanke zieht sich dabei durch seine Arbeit.
Wenn aus einem kaputten Festzelt echter Zusammenhalt entsteht
Eine Geschichte, die mir Marco Eulitz im Gespräch erzählte, zeigt besonders eindrucksvoll, was den Verein aus seiner Sicht ausmacht.
Für eine Weihnachtsfeier war zunächst ein größeres Fest geplant. Der Verein war zuvor an eine größere Geldsumme gekommen, sodass keine externe Location genutzt werden musste. Stattdessen konnte ein eigenes Festzelt gebaut beziehungsweise gekauft werden.
Doch dann kam alles anders als geplant.
Von Mittwoch auf Donnerstag fiel der erste Schnee, und das Festzelt wurde dabei so stark beschädigt, dass es nicht mehr genutzt werden konnte. Die Weihnachtsfeier sollte bereits am Freitag stattfinden.
Für Marco Eulitz war damit zunächst klar: Die Weihnachtsfeier fällt aus.
Die Mitglieder sahen das allerdings anders.
Statt die Feier einfach abzusagen, hielten alle zusammen und improvisierten gemeinsam. Innerhalb kürzester Zeit wurde nach einer anderen Möglichkeit innerhalb des Vereins gesucht. Ein Raum wurde organisiert, ein Weihnachtsbaum geschmückt und die Feier konnte doch stattfinden.
Der Vorsitzende wollte zumindest Getränke und Bratwürste kostenlos anbieten.
Doch auch hier zeigte sich die Verbundenheit: Die Mitglieder gaben trotzdem freiwillig einen Obolus und unterstützten damit ihren Verein.
Kurz darauf gab es zum Nikolaus ein neues Zelt.
Es sind genau solche Geschichten, die viel über einen Verein erzählen. Nicht immer läuft alles nach Plan. Manchmal geht etwas kaputt, manchmal fehlen Helfer und manchmal muss innerhalb kürzester Zeit improvisiert werden. Entscheidend ist jedoch, was danach passiert.
Beim „Frohsinn“ wird angepackt.
Vom Himmelfahrtsfest bis zum Oktoberfest
Das Oktoberfest ist dabei kein Zufallsprodukt. Marco Eulitz setzt sich nach eigener Aussage meist bereits im Januar hin und überlegt, welche Veranstaltungen im kommenden Jahr stattfinden sollen.
Neben dem Oktoberfest gehören unter anderem ein Himmelfahrtsfest und ein Gartenfest zum Vereinsleben. Zum Jahresabschluss gibt es außerdem eine Veranstaltung, die sich ausschließlich an die Vereinsmitglieder richtet.
Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Für den Verein spielt auch die Gemeinnützigkeit eine wichtige Rolle.
Die notwendige Ausstattung, vom Festzelt bis zur Zapfanlage, steht mittlerweile ganzjährig zur Verfügung.
Gleichzeitig kennt der Vorsitzende auch die andere Seite solcher Veranstaltungen: Zu Beginn ist die Begeisterung groß, viele möchten helfen und mit anpacken. Im Laufe der Vorbereitung wird es dann manchmal schwieriger, genügend Helfer zusammenzubekommen.
Umso wichtiger ist es, Lösungen zu finden und Veranstaltungen so aufzustellen, dass sie auch langfristig funktionieren.
Ab 2027 soll das Festgelände verpachtet werden. Nach den Gesprächen mit dem NKV wurde dabei eine Lösung entwickelt, bei der ein Veranstalter das Gelände pachten kann, während der Verein seine Gemeinnützigkeit erhalten kann. Für den „Frohsinn“ eröffnet das die Möglichkeit, das Vereinsleben und die Verbindung zum Wohngebiet weiterhin aufrechtzuerhalten.
Ein Fest für das ganze Wohngebiet
Das Oktoberfest war von Anfang an nicht ausschließlich für die Vereinsmitglieder gedacht.
Ganz bewusst wurden auch die Bewohner des umliegenden Wohngebietes und interessierte Gäste eingeladen. Mit Flyern wurde bereits mehrere Wochen vor der Veranstaltung auf das Fest aufmerksam gemacht.
Und offenbar funktioniert dieses Konzept.
Marco Eulitz berichtet von einem guten Verhältnis zum Wohngebiet. Beschwerden habe es im Zusammenhang mit den Veranstaltungen bislang nicht gegeben. Vielmehr versteht sich das Verhältnis zwischen Verein und Wohngebiet als ein gegenseitiges Geben und Nehmen.
Der Kleingartenverein bietet einen Ort, an dem Gemeinschaft stattfinden kann. Gleichzeitig profitieren auch die Menschen aus dem Wohngebiet davon, beispielsweise, wenn die vorhandenen Möglichkeiten für Familienfeiern genutzt werden können.
Diese Verbindung ist für den Verein mehr als nur ein angenehmer Nebeneffekt.
Sie hat auch ganz praktische Auswirkungen: Wenn eine Parzelle frei wird, findet sich vergleichsweise schnell ein neuer Interessent. Leerstand kennt der Verein nach eigenen Angaben seit mehreren Jahren nicht.
Gemeinschaft muss gepflegt werden
Während meines Besuchs hatte ich Gelegenheit, mit verschiedenen Gartenfreunden, Besuchern und Anwohnern zu sprechen. Dabei begegneten mir immer wieder ähnliche Gedanken: Man kennt sich, man kommt miteinander ins Gespräch und man ist froh, einen solchen Ort in der Nachbarschaft zu haben.
Genau das spiegelte auch der Abend selbst wieder.
Menschen saßen zusammen, unterhielten sich, lachten und genossen die gemeinsame Zeit. Es war kein anonymes Großevent, sondern ein Fest, bei dem die persönliche Begegnung im Mittelpunkt stand.
Und vielleicht ist genau das eine der größten Stärken des Kleingartenwesens.
Der Blick nach vorn
Auch wenn beim „Frohsinn“ vieles gut funktioniert, gibt es natürlich Wünsche und Herausforderungen.
Ein konkretes Projekt für die Zukunft ist der Bau beziehungsweise die feste Einrichtung einer eigenen Küche auf dem Vereinsgelände. Dadurch könnten die Vorbereitungen für künftige Veranstaltungen direkt vor Ort erfolgen.
Ansonsten soll vor allem eines erhalten bleiben: der Zusammenhalt.
Dabei gibt es durchaus Herausforderungen. Der Verein hat es mit insgesamt fünf verschiedenen Grundstückseigentümern zu tun. Daraus entstehen immer wieder unterschiedliche Interessen und auch Konflikte. Gleichzeitig steht die kleingärtnerische Nutzung und damit die Gemeinnützigkeit des Vereins im Mittelpunkt.
Trotz dieser Herausforderungen blickt der Vorsitzende grundsätzlich positiv nach vorn.
Ein starker Partner an der Seite des Vereins
Bei meinem Gespräch mit Marco Eulitz wurde auch deutlich, welchen Stellenwert die Zusammenarbeit mit dem Niederschlesischen Kleingärtnerverband Görlitz e.V. für den KGV „Frohsinn“ hat.
Der NKV stand und steht dem Verein dabei immer wieder mit Rat und Tat zur Seite. Gerade bei verschiedenen Vorhaben und Entwicklungen konnte der Verein auf die Unterstützung des Verbandes zählen. Dazu gehörten auch Fördermittel und weitere vielfältige Hilfestellungen, die dem KGV „Frohsinn“ bei der Umsetzung seiner Vorhaben zugutekamen.
Für einen vergleichsweise kleinen Verein mit derzeit 15 Gärten ist eine solche Unterstützung besonders wertvoll. Sie zeigt, dass der Verband nicht nur verwaltet und berät, sondern die Kleingartenvereine auch bei ihrer praktischen Entwicklung begleitet und ihnen als Ansprechpartner zur Seite steht.
Gerade beim KGV „Frohsinn“ wird deutlich, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit zwischen Verein und Verband sein kann. Der Verein bringt seine Ideen, sein Engagement und seine Gemeinschaft ein, und der NKV unterstützt dort, wo fachliche Beratung, Fördermöglichkeiten oder weitere Hilfe benötigt werden.
Auch Marco Eulitz betonte im Gespräch, dass der NKV für den Verein bereits gut integriert ist und er derzeit keine konkreten weiteren Wünsche habe. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, wie Verbandsarbeit im Kleingartenwesen ganz praktisch aussehen kann.
„Man muss die Leute an die Hand nehmen“
Besonders nachdenklich stimmte mich eine Aussage von Marco Eulitz darüber, was er Menschen sagen würde, die bisher noch keinen Kontakt zum Kleingartenwesen hatten.
Er erzählte von einem jungen Paar, das aus Nordrhein-Westfalen nach Görlitz gezogen ist und hier versucht, Fuß zu fassen. Gerade für jüngere Menschen könne der erste Schritt in einen Kleingarten mit Unsicherheiten verbunden sein.
Was mache ich falsch? Was denken die anderen? Kenne ich mich überhaupt genug aus?
Auch Marco Eulitz selbst kannte diese Gedanken.
Er wollte früher eigentlich nie einen Garten haben. Auch bei ihm war es unter anderem die Angst vor der Meinung anderer, die eine Rolle spielte. Heute ist er Vorsitzender eines Kleingartenvereins.
Seine Botschaft ist deshalb eine sehr einfache: Man muss neue Menschen an die Hand nehmen, ihnen die Angst nehmen, Erfahrungen weitergeben und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Genau dieser Spagat zwischen Erfahrung und Offenheit sei es, der das Kleingartenwesen ausmache.
Auch Digitalisierung gehört dazu
Ein weiterer Punkt, den wir im Gespräch angesprochen haben, war die Digitalisierung.
Auch hier sieht Marco Eulitz eine klare Entwicklung: Viele Dinge funktionieren heute kaum noch ohne digitale Möglichkeiten. Gleichzeitig gibt es insbesondere in älteren Vorständen Menschen, denen der Umgang mit digitalen Angeboten schwerfällt.
Seine Empfehlung: sich nicht davor scheuen, Neues auszuprobieren – und dabei gerade die jüngere Generation einzubeziehen.
Auch hier geht es letztlich wieder um dasselbe Thema: Teamwork und Zusammenhalt.
Erfahrene Gartenfreunde bringen ihr Wissen und ihre Erfahrung mit, jüngere Mitglieder können beim digitalen Wandel unterstützen. Beide Seiten können voneinander profitieren.
Ein Oktoberfest, das mehr hinterlässt als schöne Erinnerungen
Als ich den „Frohsinn“ am Abend wieder verließ, blieb bei mir vor allem ein Eindruck zurück: Gemütlichkeit.
Nicht nur wegen des Oktoberfestes selbst, sondern wegen der Menschen, die diesen Abend gestaltet und mit Leben gefüllt haben.
Der KGV „Frohsinn“ ist mit seinen 15 Parzellen sicherlich kein großer Kleingartenverein. Aber der Besuch hat mir einmal mehr gezeigt, dass die Größe einer Anlage wenig darüber aussagt, wie viel Leben, Engagement und Gemeinschaft in ihr steckt.
Marco Eulitz hat mir in unserem Gespräch sehr offen und ehrlich Einblicke in seinen Verein gegeben. Dabei ging es nicht darum, alles schöner darzustellen, als es ist. Es wurden Herausforderungen angesprochen, Probleme benannt und gleichzeitig Lösungen gesucht.
Vielleicht ist genau diese Offenheit eine wichtige Grundlage dafür, dass sich ein Verein weiterentwickeln kann.
Das Oktoberfest war für mich deshalb nicht einfach nur eine Veranstaltung im Kleingartenverein „Frohsinn“.
Es war ein Beispiel dafür, was entstehen kann, wenn ein Verein sein Umfeld mitnimmt, wenn Menschen miteinander ins Gespräch kommen und wenn aus einem Kleingartengelände ein echter Treffpunkt für die Nachbarschaft wird.
Und vielleicht braucht es manchmal gar nicht mehr als einen Garten, ein Festzelt, ein paar engagierte Menschen und die Bereitschaft, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen.
Mein persönlicher Eindruck
Mein Besuch beim KGV „Frohsinn“ e.V. hat mir wieder gezeigt, wie unterschiedlich und gleichzeitig wie wertvoll Kleingartenvereine sein können. Besonders die offene und herzliche Art, mit der mir begegnet wurde, ist mir dabei in Erinnerung geblieben. Gleichzeitig nehme ich aus diesem Besuch auch mit, wie wichtig ein starker Verband an der Seite der Vereine sein kann.
Die Unterstützung des NKV, von Beratung und praktischer Hilfe bis hin zu Fördermöglichkeiten zeigt, dass die Arbeit des Verbandes direkt bei den Vereinen ankommt. Gerade für kleinere Kleingartenvereine kann es einen großen Unterschied machen, einen Ansprechpartner zu haben, der bei Fragen, Vorhaben und Herausforderungen nicht nur mit Rat, sondern auch mit konkreter Unterstützung zur Seite steht.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei Marco Eulitz, den Mitgliedern, Gartenfreunden, Besuchern und Anwohnern für die offenen Gespräche und den herzlichen Empfang bedanken. Es war für mich interessant, einen weiteren Görlitzer Kleingartenverein nicht nur durch seine Veranstaltungen, sondern vor allem durch die Menschen dahinter kennenzulernen.
Den KGV „Frohsinn“ e.V. kann ich nach meinem Besuch absolut empfehlen. Wer einen Verein sucht, in dem Gemeinschaft, Zusammenhalt und das Miteinander mit dem Wohngebiet tatsächlich gelebt werden, ist hier aus meiner Sicht sehr gut aufgehoben.
Ich persönlich werde jedenfalls sehr gern wiederkommen und bin gespannt, welche Entwicklungen und Veranstaltungen ich beim „Frohsinn“ noch begleiten darf. Für mich war der Besuch am 3. Oktober 2026 ein rundum gelungener Abend und gleichzeitig ein weiterer schöner Einblick in die Vielfalt des Görlitzer Kleingartenwesens.
Jimmy Kowal, Ehrenamtlicher Gartenreporter
Im Auftrag des Niederschlesischer Kleingärtnerverband Görlitz e.V.

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